Kakerlake: Entwicklung und Lebensweise

Überlebenskünstler und Meister des Verstecks

Lebensweise von Kakerlaken

Der Kakerlake ist es im Laufe von fast 200 Millionen Jahren in hervorragender Weise gelungen, sich an die unterschiedlichsten Umgebungsbedingungen anzupassen. Das liegt zum einen daran, dass sie sich sehr schnell vermehrt. Zum anderen hat sich die Kakerlake auf eine sehr versteckte Lebensweise spezialisiert, da sie sich in praktisch jeder Umgebung in geeigneten Schlupfwinkel verkriecht, um nicht von Feinden gefressen oder durch den Menschen bekämpft zu werden. Der dritte Grund besteht darin, dass eine Kakerlake alle verfügbaren Nahrungsquellen nutzt und praktisch alles vertilgt, egal ob faules Obst, Lebensmittelreste, Papier oder Leder.

Entwicklung der Kakerlake

Die Entwicklung der Kakerlake verläuft je nach Art unterschiedlich. So benötigt sie vor allem hohe Temperaturen und Wasser. Die Vermehrung erfolgt vor allem durch Duftstoffe, welche die weibliche Kakerlake absondert und durch welche das Männchen angelockt wird. Auf diese Weise wird die Paarung eingeleitet.

Deutsche Schabe

Bei der Deutschen Schabe/ Kakerlake dauert die Ausbildung von den Eiern bis zur geschlechtsreifen Kakerlake im Minimum nur ca. 40 Tage. Sonst kann die Ausbildung des Eis zwischen 2 und 3 Monaten dauern. Unter schlechten Bedingungen sogar bis zu 8 Monate. Das Eipäckchen der Deutschen Schabe beinhaltet im Schnitt 40 Eier, die von der weiblichen Kakerlake ca. 4 Wochen transportiert und stets mit Nahrung versorgt werden. Während der Trächtigkeit reduziert die weibliche Kakerlake ihre Tätigkeit auf ein Mindestmaß und nimmt kurz vor der „Geburt“ Wasser auf, um durch den entstehenden Wasserruck das Eipäckchen abstoßen zu können. Die weibliche Kakerlake hinterlässt den Puppen zudem Wasser, da der Aktionsradius der Larven anfangs nur eingeschränkt ist. Im Puppenstadium häuten sich die Deutschen Schaben ca. 6x. Deutsche Schaben bilden während ihres bis zu halbjährigen Lebens etwa 7 Eipäckchen aus. Bereits unmittelbar nach der letzten Häutung pflanzen sich erwachsene Kakerlaken fort, das erste Eipäckchen wird so bereits nach etwa 1,5 bis 2 Wochen gebildet.

Orientalische Schabe

Bei der Orientalischen Schabe/ Kakerlake dauert die Ausbildung von den Eiern bis zur geschlechtsreifen Kakerlake im Minimum ein halbes Jahr und damit über viermal so lang wie bei der Deutschen Schabe. Im Schnitt dauert die Entwicklung der Orientalischen Schabe zwischen einem dreiviertel und einem Jahr. Die Zeit der Ausbildung der Eier braucht bei Temperaturen von etwa 30 Grad Celsius ca. 2 Monate. Die Ausbildungszeit verzögert sich bei der Orientalischen Schabe mit einem Absinken der Temperatur. Bei 20 Grad dauert die Ausbildung etwa 3 Monate. Nach dem Schlüpfprozess beginnt die Phase der Ausbildung zur erwachsenen Kakerlake, die beim Männchen bei einer Temperatur von 30 Grad Celsius etwa 5 Monate, bei der weiblichen Kakerlake fast 15 Monate andauert. Während der Larvenentwicklung durchlaufen Orientalische Schaben 7-10 Häutungen. Die weibliche Kakerlake trägt Eipäckchen mit im Schnitt 16 Eiern, welche anders als bei der Deutschen Schabe sofort nach der Eiausbildung abgelegt werden. Die Orientalische Schabe lebt im Schnitt ca. zehn Monate. Weibchen produzieren während ihres Lebens ca. 8 Eipäckchen.

Amerikanische Schabe

Die Amerikanische Schabe/ Kakerlake ist die größte Kakerlaken-Art. Der Entwicklungszyklus ist stärker noch als bei den anderen Kakerlaken abhängig von vergleichsweise hohen Temperaturen. Die Ausbildungszeit vom Ei bis zur erwachsenen Kakerlake dauert bei der Amerikanischen Schabe etwa 24 bis 28 Wochen. In dieser Zeit produziert die weibliche Kakerlake maximal 15 Eipäckchen mit im Schnitt 14 Eiern, die direkt nach der Ausformung in das jeweilige Versteck gebracht werden. Amerikanischen Schaben leben im Schnitt ein Jahr bis zu 15 Monate. Der Larvenschlupf aus den Eiern vollzieht sich nach etwa anderthalb bis zwei Monaten. Daran schließt sich die Entwicklung bis zur geschlechtsreifen Amerikanischen Schabe über etwa 8 Häutungen an.

Lebensweise der Kakerlake

Gruppe von Kakerlaken

Die Kakerlake bevorzugt ein feuchtwarmes Mikroklima, d.h. sie mag vor allem warme und feuchte Bereiche, wobei sie ihre Nester und Eier vornehmlich an trockenen Orten wie abgehängten Decken, Zwischenwänden und in Küchenbereichen des Herdes einrichtet. Tagsüber versteckt sie sich in allen denkbaren Ritzen, Spalten und Fugen und strebt dabei stets eine Rundumeinfassung ihres Insektenkörpers an, was durch den flachen Körper ermöglicht wird.

Das Putzverhalten der Kakerlake ist charakterisiert durch den Einsatz der Fresswerkzeuge, die zum Putzen aller Gliedmaßen eingesetzt werden. Dabei werden u.a. auch die langen Fühler gesäubert, an denen viele hundert Sinneszellen sitzen, die vor allem der Kommunikation der Kakerlaken untereinander dienen. Ein Großteil ihres Sexuallebens und ihrer räumlichen Bewegung wird über Duftstoffe gesteuert. Eine Kakerlake besitzt einen hervorragenden Geschmacks- und Geruchssinn, der es ihr ermöglicht, auch bei finsterster Nacht Nahrung aufzuspüren. Die Fühler ermöglichen der Kakerlake eine sehr gute Orientierung, obwohl sie schlecht sehen kann.

Gruppe von Schaben

Kakerlaken rotten sich aufgrund eines angeborenen Verhaltensmusters in Gruppen zusammen. Sie sind sehr lichtscheu und daher vor allem zu Zeiten des Sonnenuntergangs und während der Nacht unterwegs. Dabei erreicht die Aktivität ca. 2-3 Stunden nach Sonnenuntergang ihren Höhepunkt.

Die Kakerlake ist ein Allesfresser und greift sogar eigene Artgenossen an, insbesondere wenn diese geschwächt sind. Sie begnügt sich bereits mit kleinsten Lebensmittelresten, die sie z.B. unter dem Kühlschrank, auf Küchenarbeitsflächen, dreckigem Geschirr und in der Spüle findet.

Kann eine Kakerlake aus einem üppigen Nahrungsangebot wählen, entscheidet sie sich für süße Lebensmittel. Wasser ist für die Existenz der Kakerlake unbedingt notwendig und wird entweder indirekt über Nahrung oder direkt aus Spülen, Kondenswasserresten an Wasserleitungen o.ä. aufgenommen.

Kakerlake

Die Kakerlake gehört zu den schnellsten Läufern unter allen Insektenarten. Bestimmte Arten erzielen Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 130 cm/ Sekunde. Durchschnittlich läuft eine Kakerlake in der Spitze 1 km/Stunde. Daneben sind fast alle Kakerlaken hervorragende Kletterer. Ermöglicht wird dies durch sogenannte Haftlappen an den Füßen. Diese ermöglichen der Kakerlake das Klettern auf Vertikalflächen und sogar das Überwinden von Hindernissen Überkopf. Alle Kakerlakenarten, mit Ausnahme der Orientalischen Schabe, sind zudem fähig, von erhöhten Stellen aus in Richtung Boden zu segeln.

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