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Mottenfraß im Maybach Zeppelin gestoppt

01 December, 2007

Der Schreck der Mitarbeiter des Zeppelin Museums in Friedrichshafen sitzt tief: Nach der Rückkehr von einem Oldtimertreffen flattern Motten durch den Fahrgastraum des Maybach DS 8 Zeppelin und nachdem Techniker die Rückbank entfernen, wird das ganze Ausmaß des Schadens sichtbar. Ein Textilschädling – die Kleidermotte (Tineola bisselliella) – hat sich in der Polsterung breit gemacht und beginnt das organische Material aufzufressen.

Nur wer weiss, dass dieser Maybach Zeppelin der einzige Maybach DS 8 ist, der sich noch im Original-Zustand befindet, der nie technisch, vom Lack oder der Innenausstattung her verändert wurde, kann nachempfinden, welche Aufregung diese Nachricht im Museum verbreitet.

Schädlingsbekämpfung am Maybach

Zwischendurch ein paar Daten und Fakten zu diesem unersetzlichen Maybach-Unikat: Aus dem Luftfahrzeug-Motorenbau kommend hat Karl Maybach Anfang der zwanziger Jahre auch Motoren für Automobile entwickelt und produziert. Seine Unternehmens-Philosophie: immer nur das technisch Optimale, immer nur das Besondere, das Beste.

Ende der Zwanziger Jahre entwickelt Maybach den Maybach 12, aus dem später das Spitzenmodell Zeppelin hervorgeht. Er verfügt über einen 12-Zylinder-Motor mit sieben, später acht Liter Hubraum aus dem 150 und danach 200 PS geschöpft werden. Maybach wirbt auch mit dem Attribut der technischen Höchstleistung, denn diese Motoren treiben auch das Luftschiff Graf Zeppelin an.

Kurios muten die Kosten des Kaufs und auch Unterhalts eines Maybach Zeppelin an: 1 Liter Benzin kostet in der Mitte der 3oer Jahre zwischen 35 und 40 Pfennige, in etwa die Hälfte des Stundenlohns eines Facharbeiters. Der Maybach verbraucht je nach Fahrweise, Streckenverhältnissen und Vergasereinstellung zwischen 23 und 50 Liter auf 100 Kilometer, entspricht also durchschnittlich ca. 15 Stunden Lohn eines Facharbeiters. Ein Maybach DS 8 Zeppelin kostet damals ungefähr den Gegenwert von fünf Einfamilienhäusern.

Keine Frage, dass dem Zeppelin Museum Friedrichshafen zur Abrundung seiner herrlichen Luftschiff-Exponate noch der automobile Namensvetter fehlt. Diese Lücke wird 1996 mit dem Erwerb des Maybach DS 8 Zeppelin durch den Freundeskreis zur Förderung des Zeppelin-Museums e.V. geschlossen.
Zurück zum Schädlingsbefall des Fahrzeugs.

Nach der Sondierung verschiedener Schädlingsbekämpfungs-Unternehmen entschied sich das Museums-Team für Rentokil. Ausschlag gab die innovative Methode des CAT-Verfahrens (Controlled Atmosphere Treatment), die es erlaubt, Schädlingsbekämpfung vor Ort in einer separaten, in sich geschlossenen Atmosphäre durchzuführen. Dabei wird das zu behandelnde Objekt in ein aus Mehrkomponentenfolie bestehendes Atmos-Zelt gestellt und ca. einen Monat lang behandelt. Die Behandlung besteht aus einer 99%igen Stickstoff-Konzentration, der der einzigartige Oldtimer ausgesetzt wird, um alles organische Leben zu ersticken. Zusätzlich wird das unersetzliche Exponat keinerlei Transportrisiko ausgesetzt, es entsteht kein Diebstahlrisiko und das Raumklima wird beibehalten, alles Argumente, die z.B. auch bei jahrhundertealten Kulturgegenständen wie Bildern, Teppichen, Büchern etc. wichtig sind.

Allerdings hat Rentokil bis zu diesem Zeitpunkt noch nie ein Automobil mit CAT behandelt, entsprechend angespannt waren die Techniker und Biologen des Unternehmens. Nach vier Wochen der ununterbrochenen Kontrolle der Innen-Atmosphäre wird das Zelt geöffnet und der Stickstoff ins Freie abgeleitet. Aus Umweltschutzgründen arbeitet Rentokil nur mit atmosphärischen Gasen, die erlauben, das Fahrzeug sofort nach dem Begasen wieder zu benutzen. Danach erfolgt eine akribische Inspektion bei der das Behandlungsergebnis dokumentiert wird. Dazu Christian Knocks, Division Manager Rentokil Deutschland: „Die CAT-Behandlungsmethode war ein voller Erfolg. Wir konnten dem Zeppelin Museum Friedrichshafen ein Übergabezertifikat mit den Behandlungsprotokollen aushändigen und damit garantieren, dass die Schädlingsgefahr beseitigt ist. Mit dieser Premiere haben wir die Tür zu einer Marktnische geöffnet, die wir künftig intensiver bearbeiten wollen.“