Der Eichenprozessionsspinner besitzt während seiner Larvenstadien giftige Raupenhaare, die bei Menschen schwerwiegende gesundheitliche Schäden und Symptome wie u.a. Raupendermatitis und Hautausschlag verursachen können. Daneben gilt der Eichenprozessionsspinner auch als Pflanzenschädling, da seine Raupen durch Lichtungs- und Kahlfraß Schäden an den befallenen Eichen bewirken.
Der Gefährdungszeitraum durch den Eichenprozessionsspinner erstreckt sich praktisch über das gesamte Jahr, da sich seine gefährlichen Brennhaare nicht nur in der Umgebung ehemals befallener Eichen (Unterholz, Bodenbereiche) anreichern, sondern insbesondere alte Gespinstnester auch noch nach Monaten und Jahren ihre schädliche Wirkung entfalten können.

Vor allem die giftigen Raupenhaare der Eichenprozessionsspinner bedeuten eine massive gesundheitliche Gefahr für den Menschen. Eichenprozessionsspinnerraupen sind zum Schutz vor Vögeln und anderen Feinden bereits vom ersten Larvenstadium an behaart. Die mikroskopisch feinen, innen hohlen, ca. 3 Millimeter langen Raupenhaare werden kontinuierlich abgesondert, brechen leicht und werden durch den Wind in die weitere räumliche Umgebung verdriftet. Ab dem dritten Entwicklungsstadium unmittelbar mit der 2. Häutung bilden sich Brennhaare mit minimalen Widerhaken. Kommen Brennhaare, Nester oder Kokonreste der Eichenprozessionsspinner in Kontakt mit Haut und/ oder Schleimhäuten des Menschen, entfaltet das Eiweißgift Thaumetopein seine biochemische Reizwirkung und kann Symptome wie Raupendermatitis, Hautausschlag, allergische Reaktionen sowie Entzündungen der Augenbindehaut, des Rachens, der oberen Luftwege sowie andere Krankheitsbilder verursachen.

Raupendermatitis (Raupenhaar-Dermatitis): Die Raupendermatitis bezeichnet eine Hautentzündung infolge eines Kontaktes mit Raupenhaaren. Diese erfolgt in der Regel durch eine mechanische Reizung der Haut. Die Raupenhaar-Dermatitis besitzt Symptome wie sehr starker Juckreiz, Hautrötungen, nesselsuchtartigen Quaddeln, roten Flecken und Blasen, die stark an Insektenstiche erinnern. Das Gift der Raupenhaare trifft dabei zumeist unbedeckte Hautpartien an Hals, Gesicht, Armen und Beinen.

Allergische Hautreaktionen/ Hautausschlag: Kommen giftige Raupenhaare in Kontakt mit der Haut, ist zumeist ein Hautausschlag die Folge. Diese toxischen Spontanreaktionen sind als Symptome sehr häufig zu beobachten. Das Immunsystem des Menschen reagiert jedoch im Einzelfall sehr unterschiedlich. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein Hautausschlag als allergische Reaktion umso heftiger ausfällt, je häufiger ein Kontakt mit den Brennhaaren der Eichenprozessionsspinner stattgefunden hat.

Bindehaut- und Hornhautentzündungen der Augen: Der Bereich der Augenpartie ist den feinen Haaren der Eichenprozessionsspinnerraupen zumeist schutzlos ausgeliefert. Dringen giftige Raupenhaare ins Auge, kommt es oftmals zu einer akuten Bindehautentzündung (Konjunktivitis) mit den typischen Symptomen wie Rötungen, Lichtempfindlichkeit und starken Lidschwellungen. Dringen die Brennhaare bis zur Hornhaut vor, so ist in der Regel eine Entzündung der Hornhaut die Folge (Keratitis).

Entzündungen von Mund, Rachen und Luftwegen: Nicht selten werden Brennhaare durch den Menschen eingeatmet. Dies kann zu Reizungen der Mund- und Nasenschleimhaut und Entzündungen im Rachenbereich führen. In schlimmeren Fällen können die Raupenhaare Symptome wie Bronchitis (mit schmerzhaftem Husten) und asthmatische Reaktionen, insbesondere bei hyperreaktivem Bronchialsystem, hervorrufen.
Andere Symptome: Neben den o.g. Symptomen gibt es noch weitere Krankheitsbilder, die durch den Eichenprozessionsspinner ausgelöst werden können: Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Schwindelgefühle, Schüttelfrost, Fieber sowie in seltenen Fällen allergische Schockreaktionen.
Die ökologischen Schädigungen durch Eichenprozessionsspinner werden durch den Lichtungs- und Kahlfraß der Raupen verursacht. Selbst wenn Eichen komplett kahl gefressen werden, ist in der Regel das Schadensausmaß aufgrund des hohen Regenerationsvermögens der Bäume relativ gering.

Tritt ein Befall und großflächiger Blattanfraß durch Eichenprozessionsspinnerraupen jedoch wiederholt auf, kann es zu einer nachhaltigen Schwächung der betroffenen Eichen kommen. Dies führt dazu, dass die Bäume anfälliger für andere Schwächungsfaktoren wie Schädlinge (Eichenwickler, Eichenmehltau, Eichengallwespen) und andere Stressfaktoren wie z.B. Verletzungen oder Luftverschmutzungen werden. Dadurch kommt es nicht nur Verlusten des Baumzuwachses, sondern manchmal sogar zum Absterben der Eiche.
Die Dauer der Gefährdung durch den Eichenprozessionsspinner erstreckt sich auf das gesamte Jahr. Es existieren jedoch Zeiträume mit erhöhter Gefahr, vor allem zwischen Ende Mai bis September. Nachdem das Eigelege mit Einsetzen des Blattwachstums erwacht und die Raupen schlüpfen, beginnt der Eichenprozessionsspinner ab ca. Ende Mai/ Anfang Juni damit, seine giftigen Raupenhaare auszubilden. Zwischen Ende Juni und Anfang Juli verpuppen sich die Eichenprozessionsspinnerraupen in ihren Gespinstnestern, um schließlich Ende Juli/ Anfang August als ungefährliche Schmetterlinge ihr kurzes Leben von wenigen Tagen anzutreten. Das Tückische: Die am Eichenbaum verbleibenden Nester bleiben das ganze Jahr über gefährlich, da die darin enthaltenen Raupenhaare/ Kokonreste durch den Wind in die weitere Umgebung getragen werden und sich zudem in Bodennähe der Bäume anreichern und so eine latente Gefahr für Passanten und Haustiere darstellen.
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